Visionen und Realität

Es besser machen als Andere ist doch nicht so einfach…… Inzwischen habe ich viel erlebt, und eben, wenn ich schreiben könnte hätte ich ein Buch geschrieben. Es gäbe viele Geschichten zu erzählen, heitere, traurige, ergreifende und auch ärgerliche. Da ich sehr emotional bin sind mir die ergreifenden die liebsten und man muss sich an den schönen Begegnungen freuen um überhaupt weiter machen zu können. Aber nun zu meiner Ernüchterung: es ist wirklich schwieriger als ich es mir vorstellte. Trotz übermässigem Bemühen kompetent und seriös zu arbeiten, es braucht immer drei damit es gelingt.

Oft bin ich am (ver)zweifeln. Da kommen Menschen mit dem aufrichtigen Wunsch nach einem neuen Partner, freuen sich auf ein spätes Glück, zahlen dafür sogar Geld, bekommen dann einen, einen Partner der passt und dann finden sie irgend ein Haar in der Suppe um die Beziehunge nach ein, zwei Begegnungen nicht weiter zu führen oder auch nach drei, vier Monaten abzubrechen, wegen Banalitäten die geklärt werden könnten, obwohl sie vorher verliebt und glücklich waren.

Angst vor Nähe und Verbindlichkeit ist das Thema. Und das schwierige daran ist, dass es oft sehr unbewusst ist und unkontrollierbar als inneres Programm wirkt, aber an äusseren Sachen und Themen abgehandelt wird. Es spielt doch z.B. wirklich keine Rolle ob der Partner den Teller ausisst oder oft die Hälfte stehen lässt, ob das Auto des Kandidaten zwei Beulen hat und nicht gewaschen ist!

Sollte vielleicht jeder Partnersuchende zuerst durch eine Psychotherapie auf eine neue Beziehung vorbereitet werden, sich besser kennen lernen, um seine Aengste und Wünsche nebeneinander besser auszuhalten anstatt sie auszuagieren? Mich trifft es jedesmal wenn solche Nachrichten mich per mail oder Telefon erreichen. Sollte ich mich menschlich weniger engagieren, doch nur Adressen vermitteln wie andere, meine Kunden sich selber und dem was kommt überlassen?

8 Kommentare zu “Visionen und Realität

  1. Liebe Roswitha,

    dein so beiläufig eingestreuter Satz über den Test hat mich aufhorchen lassen. Ich habe Anfang Januar eine Sendung in Galileo über Partnerwahl gesehen. Darin sollte ein Mann aus sieben Frauen seine ideale Partnerin auswählen. Begleitet wurde seine Wahl von fünf WissenschaftlerInnen, die behaupteten, anhand bestimmter Merkmale (Körpermasse, Gesichtszüge, Stimme, Geruch, Charaktereigenschaften) voraussagen zu können, welche Wahl der junge Mann treffen werde. Und er hat genau die vorausgesagte Frau gewählt. Das gibt mir zu denken. Sind wir doch mehr von unseren Genen oder chemischen, völlig unbewusst ablaufenden Prozessen gesteuert, als wir wahrhaben möchten? Eine Beleidigung der freien Entscheidung! Aber was wäre die Konsequenz daraus? Wichtig ist, dass man sich sieht, hört und riecht. Vielleicht solltest du statt der Kamingespräche mit Männern sowas wie speed dating aber ohne speed für deine InteressentInnen anbieten? Jede/r Teilnehmer/in hat die Möglichkeit, sich 20-30 min mit einem Gegenüber zu unterhalten. Nachher müssen alle einen von dir gestalteten Fragebogen ausfüllen (nicht mein Fall – könnte mir weiteren Kontakt vorstellen – bin sehr interessiert – habe ein Kribbeln verspürt – oder was auch immer). Vielleicht kommst du so dem Geheimnis näher, was letztendlich den Ausschlag gibt?

    Herzlich
    Julia

  2. Liebe Julia

    Schön, dich hier zu treffen. Steht dein Name in Verbindung mit “Romeo und Julia”?

    Unterschiede oder Ähnlichkeit. Kennst du das kleine Buch von Bas Kast “Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt”? (Bestseller vor ca. 2 Jahren). Da steht: “Die Liebe ist wählerischer (als die Leidenschaft). Sie ist alles andere als blind. Sie prüft genau. Dafür nimmt sie sich Zeit. Sie will mehr als aufregende Gefühle. Sie will Sicherheit, und das heisst letztlich auch: Ähnlichkeit. Denn je ähnlicher ein Mensch uns ist, um so leichter fällt es uns, ihn zu verstehen und sein Verhalten vorherzusagen.

    Auch ich bin zum Schluss gekommen, dass gemeinsame Ziele mit denen sich beide begeistert identifizieren können, ein Projekt, dass das “Wir” fordert und fördert, eine optimale Voraussetzung für das Gelingen einer neuen Partnerschaft ist. Und ich glaube sogar, dass dies in unserem Lebensabschnitt noch weit wichtiger ist als in jüngeren Jahren, als gemeinsame Ziele, z.B. Aufbau einer Familie, einer Karriere etc., zu einem grossen Teil von der Natur vorgegeben waren.

    Du schreibst, dass du auf verschieden Plattformen unterwegs bist. Ich habe meine Erfahrungen (zwei Jahre, mit Unterbrüchen) hauptsächlich auf einer einzigen Plattform gesammelt. Wäre da ein Erfahrungsaustausch nicht sinnvoll? ES würde mich freuen, mich mit dir etwas eingehender zu unterhalten. Du kannst mich gerne auch direkt, unter odysseus@bluemail.ch erreichen.

    Herzliche Grüsse

    Odysseus

  3. Liebe Julia

    Unterschiede, Gemeinsamkeiten, gemeinsame Ziele….. Es kommt wirklich auf etwas anderes an und das scheint das grosse Geheimniss zu sein: für wen ist was wann richtig? Ich habe z.B. von einem Labor Test zur Verfügung. Damit könnte man die Anziehung oder das Zusammenpassen über die Schleimhaut austesten lassen. Aber, Du glaubst es nicht, die Leute haben Angst. Ich glaube das ist das grosse Thema. Alle wollen etwas Bestimmtes und dann haben sie nur Vor- und Einwände. Niemand, oder wenig Menschen, lassen sich erst mal aufeinander ein und machen die Erfahrung, dass Neues am Andern auch Neues ins eigene Leben bringen kann.

    Guter Wille sollte sicher vorhanden sein. Aber auch dann scheint es nicht einfach dem Glück nachzuhelfen. Aber vielleicht fällt Dir noch was ein. Ich würde mich über jede Anregung freuen.

    Herzlich

    Roswitha

  4. Das finde ich schön, dass ich da zufällig auf einen Blog stosse und mich über ein Thema austauschen kann, das mich zur Zeit beschäftigt. Ich bin um die 60 und seit kurzem auf diversen Platformen unterwegs, um mir anzuschauen, wie die Partnersuche per Internet so aussieht. Da kommen mir die diversesten Gedanken. Zum einen fällt mir auf, dass bei der Partnersuche mit Profil vor allem die Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen betont werden. Sicher ist es praktisch, wenn man ähnliche Gewohnheiten hat. Und sicher ist es schön, wenn man möglichst vielen gemeinsamen Aktivitäten nachgehen kann. Aber braucht es nicht gerade die Unterschiede, um eine Beziehung spannend werden zu lassen? Braucht es nicht gerade die Offenheit für Neues, um auf den anderen zugehen zu können? Vielleicht sollte man den Schwerpunkt mehr auf gemeinsame Ziele als auf möglichst grosse Übereinstimmung legen. Wünsche ich mir ein geruhsames Leben oder möchte ich nochmal ein Projekt in Angriff nehmen? Wie stelle ich mir die nächsten 20 Jahre vor?
    Zum anderen wird man selbst natürlich mit den Narben auf der Seele konfrontiert, wenn man sich ernsthaft auf die Suche macht. Wird diesmal gelingen, was das letzte Mal nicht gelungen ist? Genügt der gute Wille? Kann man dem Glück nachhelfen? Und immer dabei ist ja auch das Bewusstsein, nicht mehr unendlich Lebenszeit zur Verfügung zu haben. Meist sucht man ja einen Partner, mit dem man alt werden kann und das IST anspruchsvoll. Vielleicht sollten wir uns fragen: was braucht es eigentlich, damit eine Partnerschaft gelingen kann?

  5. Liebe V. von B.

    Sprechen miteinander – Das muss anscheinend geübt werden weil jeder das Gefühl hat RECHT zu haben und den Andern in seiner Andersartikeit nicht annehmen kann, ihn verletzt anstatt zu verstehen. Was für eine Kur schlägst Du vor?

    Roswitha

  6. Lieber Odysseus

    Du hast ja so recht mit allem was Du schreibst. Eine Lösung wäre sicher Einfühlungsvermögen, gegenseitiges und Kompromissbereitschaft. Das aber ist für viele Menschen ein Fremdwort. Jeder glaubt, dass Andere wie er denken, fühlen und funktionieren und vergessen, dass jeder Mensch eine eigene Persönlichkeitsstruktur hat die ihn individuell denken und fühlen lässt. Ein Sichkennenlernen ist nur möglich wenn man dem Anderen zuhört und die Verschiedenheiten des Denkens und Fühlens anschaut, diese Verschiedenheiten sich gegenüberstellt und sie auch als Bereicherung akzeptieren kann. Das wäre ein sich Einlassen auf eine Beziehung, etwas Neues. Dabei vergibt man sich nichts, sondern bereichert die eigene, oft etwas eingefahrene Sichtweise des ICH. Man wird reicherund mehr als nur ein Teil des Ganzen wenn man “Fremdes” auch integrieren kann. Dann fallen spannende Alternativen, Halbherzigkeit, Unterschiede der Entwicklung und ein Nachtrauern der Vergangenheit nicht mehr ins Gewicht. Man ist unterwegs zum Du.

    Ich hoffe für Dich, von ganzem Herzen, dass Deine Visionen bald Realität werden.

    Roswitha

  7. Liebe n2l

    Dein Artikel zu Visionen und Realität trifft den Nagel auf dem Kopf! Haben wir, mit 50+ oder gar 60++ Jahren, besonders grosse Mühe mit “Nähe und Verbindlichkeit“? Wenn ja, warum? Und wie müssen wir uns in der Situation verhalten? Darüber, meine ich, sollten wir uns im Grunde genommen eingehend unterhalten. Denn

    WAS MAN NICHT BESPRICHT, BEDENKT MAN AUCH NICHT (Goethe)

    Liegt es an mir? Liegt es an den anderen? – und wer versteht schon die Frauen?! ;-( Oder liegt es an einer derart anspruchsvollen Konstellation, dass wir – erfahrene Menschen mit den besten Absichten und Voraussetzungen – es am Ende doch nicht schaffen?

    Hier ein paar Vermutungen. – Resonanz erwünscht!

    1. Kompromissbereitschaft?
    Viele von uns haben so ziemlich alles wir uns wünschen: Familie, treue Freunde, ein gemütliches Zuhause …. Nur der passender Partner fehlt! Ein solcher Partner darf allerdings meine lieben Gewohnheiten auf keinem Fall in Frage stellen. Man hat schlussendlich seine Wurzeln geschlagen und ist stolz auf das, was man erreicht hat.

    2. Wegwerfgesellschaft?
    Vielleicht hat jemand etliche Jahre gebraucht um sich aus einer alten, aussichtslosen Beziehung zu lösen und möchte die gleichen Fehler nicht wiederholen. So geht er, bereits bei den ersten sich anbahnenden Schwierigkeiten, voll auf die Bremsen! Glücklicherweise wird die Schleudertechnik unterdessen beherrscht und das Internet ist voller spannenden Alternativen.

    3. Halbherzigkeit?
    Soziale, romantische und materielle Verluste sind in unserer Alterskategorie meistens keine Katastrophen, wenn man sich nach wenigen Monaten trennt. Man hat schon schlimmeres erlebt, findet sich ab, setzt andere Prioritäten und widmet sich den Enkelkindern. Gut auch, dass man den neuen Freund, die neue Freundin nicht schon überall vorgestellt hat.

    4. Neue Spielregeln?
    Dabei fehlt es durchaus nicht an beidseitiger Leidenschaft! Nur, die Kandidatinnen, ihre Bedürfnisse und Ängste sowie die Spielregeln bei der Partnersuche haben sich seit meiner Jugendzeit sehr verändert. Vermutlich habe auch ich mich verändert? Oder bin ich stehen geblieben und verstehe deshalb, ab und zu, die Welt nicht mehr? Wollen (einige) Frauen heutzutage wirklich nur oder zumindest vor allem, das “Eine”?

    5. Altlasten?
    Sind psychische Handicaps in unserem Alter eher anzutreffen als in jüngeren Jahren? Insbesondere bei Personen die noch – oder wieder – “zu haben“ sind? Das wäre logisch. Nicht ganz so logisch ist es hingegen, wenn du laufend mit einem Ex – verschollenen oder verstorbenen – Partner verglichen wirst! Davon kann ich leider mehr als ein Lied singen, bin aber anderseits vielleicht auch zu empfindlich.

    Frei und fit, mit 60++ hat unbestritten auch seine Vorteile und ich kenne mehr als Einen, der gerne mit mir tauschen würde! Ich geniesse das Single – Leben, bin aber trotz den gemachten Erfahrungen bereit für eine tolle, verbindliche Partnerschaft die über viele Jahre, jeden Tag wachsen soll!

    An dieser Vision arbeite ich – sie wird Realität werden, sobald sie eine gemeinsame Vision ist – never2late!

  8. So viele Menschen sind einsam und doch ist alles so kompliziert. Mann und Frau sind und bleiben halt so verschieden. Doch hoffe ich, dass viele noch eine glückliche Partnerschaft im Alter erleben können. Ich bin überzeugt, dass in einer zufriedenen Partnerschaft die Menschen nicht nur glücklicher, sondern auch gesünder wären. Darum, nie die Hoffnung aufgeben, sich immer für neues interessieren und vor allem, wenn es mal kleinere Probleme in der Partnerschaft gibt:
    SPRECHEN MITEINANDER.

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